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05.03.2012
Kategorie: Beteiligungen



An der Quelle der Wertschöpfung investieren



Der Vorstand des auf Private Equity spezialisierten Emissionshauses RWB Norman Lemke räumt mit dem Vorurteil auf, Private Equity sei grundsätzlich riskant. Im Gegenteil, erklärt der Vorstand im Gespräch mit Fonds Exklusiv und zeigt die Vorteile von Private Equity und Diversifikation mittels Dachfonds.


Beteiligung exklusiv: Kaum einer der vor mehr als 10 Jahren in Deutschland aufgelegten Private Equity Dachfonds hat seinen Anlegern Wertverluste beschert oder ging gar insolvent. Dagegen haben viele ihren Anlegern überdurchschnittliche Wertentwicklung im Vergleich zu anderen Anlageformen beschert. Warum wird Private Equity allgemein immer noch als riskant wahrgenommen?

Norman Lemke: Einzelne Unternehmen können scheitern, das hat jeder schon mal gehört oder sogar selbst erlebt und verständlicherweise emotional in schlechter Erinnerung. Dieses ungute Gefühl überträgt man unbewusst auf unternehmerische Beteiligungen insgesamt, also auch auf die Anlageklasse Private Equity. Was für das einzelne Unternehmen gilt, gilt aber keinesfalls für die gesamte Wirtschaft. Die kann nicht im Ganzen scheitern, weil die Realwirtschaft die Produkte und Dienstleistungen herstellt, die wir alle zum täglichen Leben und darüber hinaus benötigen. Wer also international gestreut in allen Finanzierungsanlässen, Branchen und über mehrere Jahre hinweg investiert, kann kein Kapital verlieren und wird mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Überrendite erzielen, weil er als Eigentümer an der Quelle der Wertschöpfung investiert und so systematisch den größten Anteil vom durch die Unternehmen erzeugten Mehrwert erhält.


Eine Streuung sorgt für Sicherheit und kostet im Gegensatz zur landläufigen Meinung nicht Rendite, sondern verbessert sogar Renditechancen. Wieso?
N. L.:
Private Equity hat eine hohe durchschnittliche Rendite, die Rendite der einzelnen Fonds, die direkt in 10 oder 12 Unternehmen investieren, kann jedoch sehr unterschiedlich sein. Einige dieser Direktfonds verlieren Kapital, andere können es um das Drei- oder Vierfache vermehren. Diese sehr guten Fonds beeinflussen den sich bei der Durchschnittsermittlung ergebenden Mittelwert überproportional. Mit der Breite der Streuung steigt schon rein statistisch die Wahrscheinlichkeit, einen dieser sehr guten Fonds im Portfolio dabeizuhaben und damit die Renditeerwartung.


Nach den Gesetzen der Mathematik klingt das richtig. Aber abseits der Theorie, wie sieht die Praxis aus?
N. L.:
Wichtiger als dieser mathematisch-statistische Effekt ist es natürlich, in einem ausgefeilten Prüfungsprozess die potenziell schlechtesten Fonds zu vermeiden und ansonsten in der oberen Hälfte des Marktes zu investieren. Das hat den deutlichsten Effekt auf die Rendite. Trotz des enormen Prüfungsaufwandes im Vorfeld gelingt das nicht immer, zukünftige Entwicklungen lassen sich letztendlich niemals exakt prognostizieren. Deshalb ist uns der zusätzliche Effekt einer breiten Streuung sowohl unter Sicherheits-, als auch unter Renditegesichtspunkten sehr wichtig.


Welche vier Faktoren sind für eine gesunde Streuung ausschlaggebend?
N. L.: Die Streuung nach Finanzierungsanlässen wie Buyout, Mezzanine oder Venture Capital ist das unangefochten wichtigste Streuungskriterium. Gleich danach kommt die Streuung über mehrere Auflegungsjahre, da dadurch die risikosteigernden Effekte aus wirtschaftlichen Konjunkturzyklen geglättet werden können. Daneben diversifizieren wir natürlich auch nach Regionen und Währungen.


Asien und insbesondere China sind Schwerpunkte Ihres Engagements.Wie sieht es speziell in China mit der rechtlichen Sicherheit aus?
N. L.:
Eine häufig gestellte Frage. Natürlich können Sie die Rechtssituation in China nicht mit den Zuständen in den westlichen Industrienationen vergleichen. Wir achten deshalb sehr darauf, das die Manager unserer Zielfonds über die entsprechenden politischen Kontakte verfügen. Andererseits ist China auch nicht der wilde Westen. Unsere konkreten Geschäftspartner in den Fonds haben wir bisher als einhundertprozent korrekt und verlässlich erlebt, ungewöhnlich korrekt sogar.


Welche thematischen Schwerpunkte sehen Sie für dieses Jahr im PE-Bereich?
N. L.: Asien wird weiter an Bedeutung zunehmen. Je nach Verlauf, den die europäische Staatsschulden- bzw. Eurokrise nimmt, könnte auch der Secondary Markt wieder interessanter werden.

 

Ganzes Gespräch mit Norman Lemke
Download (PDF | 72KB)


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